Der Begriff Burnout ist inzwischen jedem ein Begriff. Eng verbunden mit Themen wie Stress auf der Arbeit, Überforderung und Erschöpfung, erkranken seit Jahren immer mehr Menschen am Burnout-Syndrom. Doch worum handelt es sich dabei genau und wie kann man dagegen vorgehen? Wir erläutern geeignete Präventionsmassnahmen für die Umsetzung in Arbeitsteams und Unternehmen.
Was ist das Burnout-Syndrom?
Beim Burnout-Syndrom handelt es sich um einen Zustand starker psychischer Erschöpfung. Dieser kann mit körperlichen beziehungsweise psychosomatischen Beschwerden einhergehen. Als Syndrom wird Burnout bezeichnet, weil es in der Regel um eine Ansammlung vieler verschiedener Symptome geht. Dazu gehören vor allem emotionale Erschöpfung, Antriebslosigkeit und Gleichgültigkeit.
Typische Ursachen für einen Burnout sind Stress, Überforderung oder die als mangelhaft wahrgenommene Sinnhaftigkeit des eigenen Jobs. Häufig führt der psychische Erschöpfungszustand zu einer länger andauernden Handlungs- und Arbeitsunfähigkeit. Problematisch ist, dass die Betroffenen das Ausmass ihrer Erkrankung häufig erst dann erkennen, wenn es bereits zu spät ist. Die Leistungsfähigkeit ist zu diesem Zeitpunkt oft bereits so eingeschränkt, dass es zu einer langfristigen Krankschreibung kommt.
Vor allem Betriebe, die sich der Grenzen zwischen Herausforderung und Überforderung nicht bewusst sind, sind mitschuldig am Stress und Burnout ihrer Mitarbeiter. Gefährdet sind vor allem junge, ehrgeizige Mitarbeiter. Zwar sollten Arbeitgeber aufstrebende Kräfte fordern, aber auch auf eine ausreichende Entlastung achten. Schädlich ist eine Erwartungshaltung, die den Mitarbeitern nicht nur umfangreiche Aufgabengebiete, sondern permanente Erreichbarkeit und einen harten Umgangston zumutet.
Burnout-Prävention in Unternehmen
Ein schlechtes Betriebsklima und übersteigerter Leistungsdruck können schnell zum Ausfall von Mitarbeitern infolge psychischer Erkrankungen führen. Führungskräften obliegt es also, dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter regelmässig Pausen machen. Zu vermeiden sind Doppelschichten und eine permanente Erreichbarkeit. Unternehmen sollten ausserdem auf eine ausreichende Personalentwicklung achten. Wenn diese ausbleibt, kommt es in der Folge schnell zu Dauerbelastungen der vorhandenen Mitarbeiter.
Auch ein gesundes Vertrauen zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten kann die Leistungsfähigkeit im Unternehmen erhalten. Führungskräfte sind nicht nur für ihre eigene Leistungsfähigkeit zuständig, sondern auch verpflichtet, die der Mitarbeiter zu erhalten. Hilfreich sind dabei zum Beispiel Fortbildungen im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Die Gefährdungsbeurteilung «Psychische Belastungen» (GBpsych) gibt bereits erste Hinweise und mögliche Ursachen für psychische Dauerbelastungen.
Massnahmen für die Burnout-Prävention am Arbeitsplatz
1. Burnout enttabuisieren
Leider sind psychische Erkrankungen – gerade am Arbeitsplatz – immer noch ein Tabu-Thema. Führungskräfte sollten Burnout daher in Teamsitzungen oder Einzelgesprächen zum Thema machen. Es geht darum, dem Team zu signalisieren, dass der Austausch über psychische Erkrankungen okay und gewünscht ist.
2. Mitarbeiter wertschätzen
Mitarbeiter, die gute Arbeit leisten, sind zu belohnen. Gerade ein Mitarbeiter, der permanent hohe Arbeitsleistung bringt, sollte nicht als Selbstverständlichkeit betrachtet werden. Belohnungen können sich natürlich in Form von Gehaltserhöhungen oder Boni manifestieren. Oftmals ist aber schon ein «Danke» oder ein anerkennendes Wort sehr wertvoll.
3. Flexible Arbeitszeiten
Flexible Arbeitszeiten steigern nachweislich die Produktivität, Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter. Gleichzeitig erhöhen sie den Handlungsspielraum der Angestellten erhöhen und helfen damit, emotionalen Stress abzubauen.
Ein flexibles Arbeitszeiten-Management hilft Mitarbeitern, Arbeit und Privates unter einen Hut zu bringen. Mit flexiblen Arbeitszeiten oder Telearbeit bekommen Arbeitnehmern die Möglichkeit, ihre Aufgaben freier einzuteilen.
4. Realistische Ziele
Das Setzen konkreter Ziele durch den Vorgesetzten erhöht zwar häufig die Motivation der Mitarbeiter. Doch müssen diese immer so definiert sein, dass diese sie auch erreichen können. Führungskräfte sind daher aufgefordert, ihre eigenen Wunschvorstellungen und die Unternehmensvorgaben zugunsten ihrer Mitarbeiter zurückzustellen.
5. Gespräche führen
In den meisten Jobs finden regelmässig Mitarbeitergespräche statt. Ein wichtiger Tagesordnungspunkt in diesen Gesprächen sollte die Arbeitsbelastung und die an den Mitarbeiter gestellten Anforderungen sein. Dabei muss der Vorgesetzte sichergehen, dass der Mitarbeiter weder dauerhaft unter- noch überfordert ist. Beides kann der Gesundheit schaden und den Mitarbeiter dauerhaft ausfallen lassen. Wichtig ist, dass Führungskräfte bei Problemen Unterstützung anbieten und ein «offenes Ohr» für die Anliegen, Stress und Druck des Mitarbeiters haben.
6. Mitarbeitergesundheit fördern
In vielen Job und Unternehmen haben Arbeitnehmer inzwischen die Möglichkeit, Seminare, Fitness-Kurse und Programme zur Stressbewältigung wahrzunehmen. Diese Hilfe zur Selbsthilfe soll die Gesundheit der Mitarbeiter langfristig aufrechterhalten. Sache der Führungskräfte ist es, den Mitarbeitern die Zeit einzuräumen, an den betrieblichen Gesundheitsangeboten teilzunehmen. Unternehmen sollten die jeweiligen Angebote also regelmässig kommunizieren, Führungskräfte sollten mit gutem Beispiel vorangehen.
7. Mitarbeiter zielgerichtet einsetzen
Viele Arbeitnehmer in der Schweiz arbeiten in Jobs, für die sie gar nicht geeignet sind. Das Resultat sind Frust und Langeweile. Häufig kommen Druck und Überforderung hinzu, da der Mitarbeiter die Erwartungen seiner Kollegen und des Vorgesetzten nicht erfüllen kann. Für Vorgesetzte ist es daher wichtig, die Stärken und Schwächen ihrer Mitarbeiter zu kennen. Ausserdem sollten sie regelmässig Feedback zum aktuellen Anforderungs- und Belastungsgrad ihrer Teammitglieder einholen.
8. Arbeitsstrukturen überprüfen
Herrschen in einem Unternehmen fehlerhafte innerbetriebliche Strukturen, kann dies zu einer Überforderung mancher Mitarbeiter führen. Häufige Gründe sind Personalengpässe oder ein zu hohes Mass an Bürokratie. Hilfreich ist in diesem Fall, Arbeitsprozesse und –strukturen zu überprüfen sowie überflüssige Arbeitsschritte abzuschaffen.
9. Betriebsklima verbessern
Ein gutes Betriebsklima ist die Grundvoraussetzung für zufriedene, motivierte und psychisch gesunde Mitarbeiter. Welche Massnahmen geeignet sind, um das Betriebs- und Teamklima zu verbessern, hängt oftmals von der Teamgrösse, den Jobs sowieso der Motivation der Mitarbeiter ab. Einen besseren Zusammenhalt kann man zum Beispiel durch gemeinsame Aktivitäten wie einen Business-Lunch oder einen Ausflug zum Weihnachtsmarkt erreichen.
10. Konflikte beseitigen
Überall, wo Menschen aufeinandertreffen, kommt es zu Konflikten. Häufig bleiben diese unausgesprochen, wirken sich aber trotzdem auf die Zusammenarbeit aus. Aufgabe der Führungskräfte ist es, unausgesprochene Konflikte zu erkennen und anzusprechen. Ignoriert man den Streit stattdessen, verschlechtert sich das Miteinander in der Regel. Bei Konflikten, die sich im Team nicht lösen lassen, ist professionelle Unterstützung empfehlenswert. Externe Supervisoren oder Mediatoren bieten Hilfe beim Lösen von Teamkonflikten.