Langes Wochenende für alle? Während Gewerkschaftenn einst für die 40-Stunden-Woche kämpften, werden heute immer wieder Forderungen nach einer Verkürzung der Arbeitszeit laut. Wie das Modell der 4-Tage-Woche funktionieren kann, zeigen zahlreiche Beispiele aus verschiedenen Ländern und Stellen in der Schweiz. Worauf es dabei ankommt, ist vor allem eine kluge Organisation der zu erledigenden Arbeit.
Was genau ist unter der 4-Tage-Woche zu verstehen?
Bislang gilt für die meisten Stellen in der Schweiz noch das System der 5-Tage-Woche Verwendung. Hierbei sind Arbeitnehmer fünf Tage der Woche für ihren Arbeitgeber im Einsatz und haben zwei Tage frei. Die wöchentliche Arbeitszeit liegt durchschnittlich zwischen 35 und 42 Stunden.
Grundprinzip der 4-Tage-Woche ist es, statt fünf vier Arbeitstage pro Woche und drei freie Tage zu haben. Dabei legt der Arbeitgeber fest, ob sich bei der Umstellung die Gesamtstundenzahl pro Woche verringert oder gleich bleibt. Übrigens: Auch bei der 4-Tage-Woche beträgt der gesetzliche Urlaubsanspruch mindestens vier Wochen im Jahr. Hat man vier Arbeitstage pro Woche, hat man also Anspruch auf insgesamt mindestens 16 Urlaubstage.
Der Gedanke hinter dem Konzept ist, dass die Arbeitnehmer durch die gewonnene Freizeit produktiver arbeiten und motivierter zur Arbeit kommen.
Doch wie sieht es mit dem Gehalt aus? Hier gibt es Unterschiede, denn ein einheitliches Modell der 4-Tage-Woche gibt es nicht. Vielmehr umfasst der Begriff folgende Arbeitsmodelle, zwischen denen sich Arbeitgeber entscheiden können:
- vier Arbeitstage (80-prozentiges Pensum) ohne Lohneinbussen
- vier Arbeitstage (80-prozentiges Pensum) mit Lohneinbussen
- vier Arbeitstage à zehn Stunde
Das Konzept der 4-Tage-Woche ist gerade in der Schweiz heftig umstritten. Immer mehr Ökonomen sind der Meinung, dass das Arbeiten an nur vier Tagen wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen kann. Denn der zusätzliche freie Tag steigere die Leistungsfähigkeit, die Motivation und die allgemeine Gesundheit der Mitarbeiter. Es gibt aber auch die Meinung, dass eine Verkürzung der Arbeitszeit dem Unternehmen durch eine sinkende Arbeitsmoral langfristig schadet.
Vorteile der 4-Tage-Woche
Vorteil 1: Motivierteres und effizienteres Arbeiten
Wer das Prinzip der 4-Tage-Woche verstehen will, sollte sich dies vor Augen halten: Die geleistete Arbeitszeit eines Mitarbeiters entspricht nicht seiner tatsächlich geleisteten Arbeit. Schliesslich sagt die Zeit, die wir am Arbeitsplatz verbringen, nichts darüber aus, wie effizient wir unsere Arbeit erledigen. So ist es durchaus möglich, dass Mitarbeiter acht Stunden am Tag im Büro verbringen, ohne einen Beitrag zum Unternehmenserfolg zu leisten. Gleichzeitig können Mitarbeiter, die weniger Stunden anwesend sind, in dieser kürzeren Arbeitszeit hervorragende Leistungen bringen.
Worauf Arbeitgeber also achten sollten, ist nicht die tatsächlich abgeleistete Arbeitszeit, sondern die Produktivität ihrer Mitarbeiter. Dies lässt sich zum Beispiel überprüfen, indem man gemeinsam mit den Mitarbeitern wöchentliche Arbeitsziele setzt. So zeigt sich schnell, dass die Produktivität bei einer verkürzten Arbeitswoche höher ausfallen kann als bei der herkömmlichen 5-Tage-Woche. Der Grund: Das Mehr an Freizeit und die länger Erholungsphase steigern die allgemeine Zufriedenheit und die Motivation der Mitarbeiter.
So sorgt allein die Aussicht auf mehr Freizeit für einen Motivationsschub. Die Tests zeigen, dass die Bereitschaft, an den verbleibenden Tagen Überstunden zu leisten, steigt. All dies resultiert darin, dass die vorhandene Zeit produktiver genutzt wird und Zeitfresser wie Kaffee- und Gesprächspausen oftmals weggelassen werden.
Hinzu kommt, dass das verlängerte Wochenende sich positiv auf die Gesundheit auswirkt. Kein Wunder, schliesslich haben die Mitarbeiter mehr Zeit für die Familie, Hobbys und zum Ausschlafen.
Vorteil 2: Weniger krankheitsbedingte Ausfälle
Immer mehr Menschen werden als depressiv diagnostiziert, leiden unter Überbelastungen und im schlimmsten Fall unter einem Burn-out. Ein Übermass an Stress und Arbeit wirkt sich negativ auf die physische und psychische Gesundheit aus. Die 4-Tage-Woche kann helfen, die Stressbelastung zu reduzieren. Im besten Falle führt dies dazu, dass sich Mitarbeiter gesünder fühlen und seltener krank werden. Zudem lassen sich Krankheiten durch die verlängerte Freizeitphase besser auskurieren. Arbeitgeber profitieren, da die Mitarbeiter seltener ausfallen.
Vorteil 3: Terminverschiebung auf den freien Werktag
Die 4-Tage-Woche bietet Arbeitnehmern die Möglichkeit, wichtige Termine auf den freien Werktag zu verschieben. Das erspart ihnen den Stress, sich beim Vorgesetzten abmelden zu müssen, um den Termin in der Werkstatt oder den Arztbesuch wahrzunehmen.
Auch Arbeitgebern bietet dieser Aspekt der 4-Tage-Woche einen wichtigen Vorteil. Denn der Mitarbeiter kann wichtige Termine auf seinen freien Tag verschieben und fällt unter der Arbeitswoche nicht mehr stundenlang aus.
Vorteil 4: Steigerung der Attraktivität des Arbeitgeberimages
Da sich die 4-Tage-Woche auf dem Arbeitsmarkt noch nicht durchgesetzt hat, stellt sie zurzeit noch ein Alleinstellungsmerkmal dar. Gerade junge, innovative Unternehmen haben deshalb die Chance, sich bei der Bewerbersuche als besonders modern und flexibel zu positionieren. Viele junge, hochqualifizierte Fachkräfte entscheiden sich nicht mehr nur auf der Grundlage des Gehalts für einen Arbeitgeber, sondern erwarten mehr.
Auch für die Mitarbeiterbindung spielen Überlegungen zur Verkürzung der Arbeitszeit eine Rolle. So profitieren Unternehmen davon, dass Angestellte bei vier Arbeitstagen pro Woche zufriedener sind und daher seltener kündigen.
Erfolgreiche Beispiele für die 4-Tages-Woche
Zwar lässt sich nicht genau sagen, woher die Idee der 4-Tage-Woche stammt, dafür wurde das Arbeiten an nur vier Arbeitstagen aber einige Male getestet. Im Jahr 2019 erprobte sogar Microsoft in Japan das Konzept und verzeichnete positive Ergebnisse. So steigerte sich die Produktivität um 40 Prozent.
Immer mehr Unternehmen denken über flexible Arbeitszeitmodelle nach und auch viele Arbeitnehmer können sich eine Verkürzung ihrer Arbeitszeit gut vorstellen. Experimente in einigen europäischen Ländern haben dazu geführt, dass die jeweiligen Unternehmen die 4-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich eingeführt haben. Zu den Vorreitern in Europa gehören hier vor allem Schweden, aber auch Deutschland.
In der Schweiz dagegen ist das Modell bisher noch die Ausnahme. Doch auch hier sind inzwischen ein paar Unternehmen dem Ruf gefolgt. Insbesondere Menschen in kreativen Berufen und IT-Jobs profitieren von einer temporären oder langfristigen Einführung der 4-Tage-Woche. Dazu gehört beispielsweise die Kreativagentur Büro A+O aus Aarau. Das Unternehmen wagte den Schritt schon im Jahr 2017 und reduzierte die Arbeitszeit derart, dass die Mitarbeiter einen Tag weniger zur Arbeit erscheinen müssen. Die Bilanz der Unternehmensleitung ist positiv: Die Mitarbeiter wirken entspannter und nutzen den freien Tag für die Familie. Zusätzlich nutzt man die Zeit, um sich weiterzubilden oder um aber an eigenen Projekten zu arbeiten.
Gerade auch im Bereich der IT-Jobs können sich Arbeitnehmer häufig über kürzere Arbeitszeiten freuen. Das liegt vor allem daran, dass sich viele Aufgaben in der IT standortunabhängig erledigen lassen. Viele Menschen mit IT-Jobs arbeiten von zu Hause oder mobil. Zudem legen die Arbeitgeber vermehrt Wert auf Ergebnisse, nicht auf Anwesenheiten. Auf der Suche nach einem IT-Job ist also darauf zu achten, welche Arbeitgeber flexible Arbeitszeiten in Form der 4-Tage-Woche anbieten.