Die Mitarbeiterbindung ist ein fester Bestandteil der Personalpolitik des Unternehmens. Die im Rahmen der strategischen Entscheidungen im Hinblick auf wechselseitige Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Belegschaft getroffen werden. In Zeiten des Fachkräftemangels und einer wachsenden Arbeitsmobilität bekommt die Mitarbeiterbindung eine neue Bedeutung. Sie ist der Treibstoff des wirtschaftlichen Erfolgs sowie eine wichtige Determinante der Stabilität des Unternehmens. Dieser Beitrag gibt eine Übersicht über die Bedeutung, Ebenen und Vorteile der Mitarbeiterbindung. Überdies stehen die Säulen der Zufriedenheit der Mitarbeiter und Employer Branding im Zentrum der Diskussion.
Was steckt hinter Mitarbeiterbindung?
Die Mitarbeiterbindung (Retention-Management), bezieht sich auf ein Bündel von Massnahmen. Diese haben eine dauerhafte Bindung (Retention) der Mitarbeiter an den Arbeitgeber zum Ziel. Sie richtet sich vorrangig an Leistungsträger, junge Nachwuchskräfte mit einem enormen Potenzial sowie Fachspezialisten. Welche aufgrund ihrer fachlichen Kenntnisse und Erfahrungen am Arbeitsmarkt gefragt sind. Die Mitarbeiterbindung erfordert eine gut konzipierte und auf Langzeit angelegte Strategie, an deren Ausarbeitung die Personaler und Marketingteams mitwirken. Eine gelungene Mitarbeiterbindung ist der Beweis, dass das Unternehmen die richtigen Schritte für die Zufriedenheit der Mitarbeiter setzt.
6 Säulen der Mitarbeiterzufriedenheit
Arbeitsumfeld und -organisation
Das Wohlbefinden am Arbeitsplatz führt zur Zufriedenheit der Mitarbeiter. Es steigert die Konzentration und Aufmerksamkeit, die sich auf die Produktivität und Effizienz entlang der Wertschöpfungskette übertragen. Jene Mitarbeiter, die sich beim Arbeitgeber gut aufgehoben fühlen, sind motivierter und erbringen bessere Leistungen. Es lohnt sich, ein angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen sowie die Aufgaben der Mitarbeiter sinnvoll zu organisieren. Ansprechende Sozialräume für Austausch und Kontakt mit dem Team sowie Erholung sind gute Massnahmen. Weiter sind frei zugängliche Parkplätze, flexible Arbeitsformen und -zeiten, eigene Betriebskantine und -veranstaltungen gute Fördermassnahmen in diese Richtung.
Gesunder Lebens- und Arbeitsstil
„In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“, lautet der vom römischen Dichter Juvenal stammende Spruch. Es lässt sich sagen, dass er bis heute nichts an Aktualität verloren hat. Hervorragende Arbeitsleistungen setzen gesunde Gewohnheiten voraus, die sich im privaten wie im beruflichen Leben pflegen lassen. Die private Work-Life-Balance ist der aktuelle Trend am Arbeitsmarkt. Dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) kommt eine besondere Bedeutung zu. Es unterstützt die Mitarbeiter bei ihrer individuellen Gesundheitsvorsorge und fördert eine gesunde Unternehmenskultur.
Individuelle Personalentwicklung
Die talentierten Mitarbeiter freuen sich, wenn sie herausgefordert werden, indem sie ehrgeizige Aufgaben zugeteilt bekommen und an wichtigen Projekten teilhaben. Das ist der Grund, dass mehr Arbeitgeber eine positive Einstellung gegenüber Investitionen ins Fachwissen und gesuchte Kompetenzen entwickeln. Dies darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Bedürfnisse der einzelnen Mitarbeiter unterschiedlich sein können. Eine individuelle Personalentwicklung mit Hilfe von massgeschneiderten Schulungen und Workshops, internen Mentoring- und High-Potential Programmen, bildet einen wichtigen Erfolgsfaktor.
Kommunikation und Kooperation
Seit langem raten die Marketingexperten den Unternehmen dazu, eine kundenorientierte Kommunikation durch Nutzensprache einzusetzen. Ein fairer und partnerschaftlicher Umgang mit Kunden rückt in den Vordergrund. Neben dem Kundenfokus wird zunehmend auf den Mitarbeiterfokus hingedeutet, da er fürs Wachstum genauso wichtig ist. Der Aufbau einer engen Beziehung zu den eigenen Mitarbeitern hat eine wachsende Priorität. Die Vorgesetzten und Führungskräfte treten verstärkt in einen konstruktiven und vertrauensschaffenden Dialog mit ihrer Belegschaft. Das sind die Voraussetzung für eine gute bereichsübergreifende Zusammenarbeit darstellt.
Anerkennung und Wertschätzung
Jeder Mensch wünscht sich Anerkennung. Wer diese nicht erfährt, fühlt sich nicht wahrgenommen. Die fehlende Reaktion auf erbrachte Leistungen am Arbeitsplatz führt zu Motivationsverlust. Die Mitarbeiter schalten nach einer Weile auf „Pflichtmodus“ um. Sie sind weniger bereit, Überstunden zu machen und zusätzliche Arbeit zu übernehmen. Neben Anerkennung spielt Lob als Form einer spontanen Wertschätzung eine wesentliche Rolle. Beides lässt sich unter anderem durch eine respektvolle Haltung gegenüber den Mitarbeitern, Übertragung von Verantwortung und Beteiligung an Entscheidungen verwirklichen.
Gehaltserhöhungen und Aufstieg
Es besteht kein Zweifel daran, dass die Zufriedenheit der Mitarbeiter an der Lohn- oder Gehaltshöhe gemessen werden kann. Gerechte Gehaltserhöhungen sollten auf regelmässiger Basis erfolgen, um hohe Einsatzbereitschaft und Eigeninitiative der Mitarbeiter zu fördern. Themen wie Fairness und Transparenz sind in diesem Zusammenhang höchstes Gebot. Nicht zu vernachlässigen sind Aufstiegschancen, die besonders unter den Millennials essenzielle Bedeutung haben. Gehaltserhöhungen und Aufstiegschancen schaffen gemeinsam ein Gefühl der Arbeitsplatzstabilität, ohne welche eine dauerhafte Bindung an den Arbeitgeber kaum möglich ist.
Auf welchen Ebenen findet Mitarbeiterbindung statt?
Wie beim Start angesprochen, kann das Personal unterschiedliche Bedürfnisse im Hinblick auf den Arbeitsplatz haben. Diese hängen von der aktuellen Lebenssituation der einzelnen Mitarbeiter und ihren individuellen Präferenzen ab. Eine behutsame und individuelle Herangehensweise an die Bedürfnisse jedes Mitarbeiters mindert die Fluktuationsrate eines Unternehmens. Und hält somit die Kosten niedrig. Sie eröffnet gleichzeitig die Möglichkeit, die Mitarbeiterpotenziale zu entdecken und eine starke Bindung an den Arbeitgeber zu entwickeln. Die letztere äussert sich auf folgenden drei Ebenen:
1. Emotionale Bindung:
Die loyalen Mitarbeiter mögen ihren Arbeitgeber. Sie identifizieren sich mit seinen strategischen Zielen und wollen diese gemeinsam erreichen. Der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens und seine starke Marktposition liegen den loyalen Mitarbeitern „am Herzen“. Sie geniessen ein angenehmes Betriebsklima und haben das Gefühl, durch Anerkennung und Wertschätzung ein integraler Teil des Unternehmens zu sein. Was benötigst Du für ihre emotionale Bindung?
Eine Mitarbeiter- respektierende Unternehmenskultur kommt unter anderem durch regelmässige Mitgestaltungs- und Möglichkeiten zur Entscheidung genauso wie gewisse Handlungsfreiräume zum Ausdruck. Die Beteilung an wichtigen Projekten, Übernahme von Verantwortung und Arbeit von zuhause aus sind ein wenige nennenswerte Beispiele für Massnahmen. Die unter den Mitarbeitern ein Gefühl von Verbundenheit und Vertrautheit schaffen. Sie machen den täglichen Einsatz zu einem unvergesslichen Erlebnis.
2. Kalkulative Bindung:
Manche, vor allem jüngere Mitarbeiter legen einen hohen Wert darauf, dass sie klare Vorteile aus der Zusammenarbeit haben. Es handelt sich hierbei nicht um Sachleistungen und finanzielle Vergütungen. Auch wenn sie ein wichtiges Kriterium für die Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber sind. Ein zunehmendes Interesse wecken jene Aktivitäten, die zur erwünschten Work-Life-Balance positiv beitragen und die persönliche Entfaltung fördern.
Dies kann beispielsweise die Möglichkeit sein, eine Auszeit im Rahmen des Sabbaticals zu nehmen. Dieser längere Sonderurlaub gibt den Mitarbeitern die Erlaubnis sich zurückzuziehen. Ohne die Chance auf eine Wiederkehr in die Berufswelt zu verlieren. Die kalkulative Bindung lässt sich ebenfalls mit Hilfe von Fringe Benefits erzielen. Damit sind gemeint Zusatzleistungen wie Versicherungen und Sparpläne, die der Arbeit einen tieferen Sinn verleihen.
3. Qualifikationsorientierte Bindung:
Die besonders zielstrebigen und karriereorientierten Mitarbeiter freuen sich auf wertvolle Möglichkeiten zu Entwicklung. Dank deren sie ihre Kompetenzen vertiefen und Horizonte erweitern können. Sie schätzen, wenn sie durch eine aktive Teilnahme an qualifikations Massnahmen neue Eindrücke und Perspektiven gewinnen. Ihre Aufgeschlossenheit gegenüber der Erweiterung des beruflichen Netzwerks und der Knüpfung neuer Kontakte wirkt sich positiv auf die Unternehmensmarke aus.
Zu den bekanntesten Massnahmen der qualifikationsorientierten Unterstützung zählen die Nachwuchs- und Förderprogramme. Die Laufbahnberatung und das interne Mentoring erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Vorallem unter jenen ehrgeizigen Mitarbeitern, die das eigene Fachwissen auf dem neuesten Stand halten wollen. Hier gilt es, auf individuelle Präferenzen der Mitarbeiter einzugehen und genügend Raum fürs Ausleben von Kompetenzen zu schaffen. Schliesslich erfordert die qualifikationsorientierte Bindung die Bereitschaft, den Mitarbeitern interessante und herausfordernde Aufgaben zu stellen.
4 grosse Vorteile einer erfolgreichen Mitarbeiterbindung
Senkung der Rekrutierungskosten
Die zufriedenen Mitarbeiter sind weniger dazu bereit, zu kündigen und nach anderen beruflichen Optionen zu suchen. Dank dessen können die Unternehmen ihre Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten eindämmen.
Reduzierung der Ausfallzeiten
Jene Mitarbeiter, die sich im Unternehmen wohlfühlen, sind glücklicher und gesünder. In der Folge gehen sie seltener in Krankenstand, der einen der wichtigsten Gründe für Ausfallzeiten darstellt.
Erhöhung der Arbeitsproduktivität
Die Zufriedenheit der Mirarbeiter überträgt sich auf einen reibungslosen Ablauf der Betriebsprozesse. Das Ergebnis sind eine hohe Produktivität je Arbeitsstunde, eine gesteigerte Leistungsbereitschaft und Eigeninitiative.
Aufbau der Markenbekanntheit
Jene Mitarbeiter, die Sinn und Erfüllung finden, empfehlen das Unternehmen als Arbeitgeber weiter. Viele von ihnen engagieren sich als Markenbotschafter, indem sie ein positives Markenbild aufbauen.
Ausblick: Employer Branding als neuer Trend
Der Kampf um die besten Talente ist in der jetztigen Situation in vollem Gang. Dies veranlasst viele Unternehmen zum Umdenken und erfordert die Positionierung als attraktiver Arbeitgeber. Employer Branding, das sich ins Deutsche als Arbeitgebermarkenbildung übersetzen lässt, geht den Arbeitsgebern zur Hand. Das Kernstück dieser unternehmerischen Massnahme ist ein Alleinstellungsmerkmal als Arbeitgeber (Employer Value Proposition). Das erlaubt, sich den potenziellen und bestehenden Mitarbeitern von der besten Seite zu zeigen. Diesem Zweck dienen unter anderem Karriere-Events und eine aktive Mitarbeiteransprache über soziale Netzwerke. Es bleibt abzuwarten, welche neuen Instrumente Employer Branding in Zukunft bieten wird.