«Du musst Deine Stellensuche selbst in die Hand nehmen.»
Diesen Rat habe ich kürzlich einem Raum von Berufstätigen in der Mitte ihrer Laufbahn gegeben, die sich auf fremdes Territorium begeben wollten: die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. Viele dieser Fachkräfte wiesen in ihren derzeitigen Positionen eine beachtliche Beschäftigungsdauer auf: fünf, zehn oder sogar mehr als 15 Jahre. Als sie das letzte Mal nach einen Stellenwechsel hatten, galten andere Regeln. Die Idee, LinkedIn für eine verdeckte Suche zu verwenden, war nicht weit verbreitet, und man konnte die Plattform auch nicht dazu nutzen, Recruitern zu zeigen, dass man für neue berufliche Möglichkeiten offen war. Bewerbungen wurden immer noch per E-Mail-Anhang eingereicht. In der ersten Runde wurden Vorstellungsgespräche mit Menschen geführt, nicht mit KI oder anderen digitalen Schnittstellen.
Eine Sache hat sich jedoch nicht geändert: Führungspositionen werden nach wie vor nur selten ausgeschrieben, und die meisten werden durch einen Executive Recruiter besetzt. Aus der Perspektive eines Bewerbers kann es zunächst so aussehen, als verfüge der Recruiter über sämtliche Macht. Er steht in direktem Kontakt mit Unternehmen, bewertet Lebensläufe und legt fest, welche er einreicht. Gibt es also etwas, das Du als Bewerber mit Berufserfahrung tun kannst, um Deine Chancen zu verbessern?
Die Perspektive des Recruiters: Was wir von einem Bewerber erwarten – und wie Du Deine Chancen verbessern kannst
Recruiter erwägen, welche Arbeitgeber am meisten von Deinen Fähigkeiten und Erfahrungen profitieren werden. Wir bewerten auch, ob Deine Interessen und beruflichen Erwartungen für die jeweiligen Jobs und Unternehmen geeignet sind. Wir haben es uns als Ziel gesetzt, eine erfolgreiche Partnerschaft zu schaffen, in der sowohl Du als auch das Unternehmen gleichermassen profitieren.
Nur eines können wir nicht tun: Arbeitsplätze aus dem Nichts erschaffen – ganz gleich, wie sehr wir Dich persönlich mögen oder Deine Erfahrung und Fähigkeiten schätzen. Es liegt an Dir, Deine Suche nach einer Stelle selbst in die Hand zu nehmen und dich als bestmöglichen Kandidaten zu präsentieren. Hier sind die ersten Schritte:
Kümmere dich um die Basics
Bevor ein Recruiter Dich einem Unternehmen vorstellen kann, musst Du Deine Schäfchen im Trockenen haben. Dazu ist es unerlässlich, Deinen Lebenslauf zu aktualisieren – und vergesse dabei Dein LinkedIn-Profil nicht! Quantifiziere Deine Erfolge und finde Vergleichswerte. Wenn Du den Umsatz gesteigert hast: wie gross war diese Steigerung in Prozent? Wie verhält sich das im Vergleich zum Branchendurchschnitt (oder Unternehmensdurchschnitt) im gleichen Zeitraum? Wenn Du befördert wurdest: hast Du diese Beförderung im Vergleich zum üblichen Zeitrahmen in Ihrem Unternehmen frühzeitig erhalten? Je konkreter Du bist, desto einfacher wird es für Deinen Recruiter sein, Dich als herausragendes Talent zu verkaufen.
Vergrössere Deinen Blickwinkel
Wenn man lange in einem Unternehmen tätig ist, verliert man in seiner Branche leicht den Blick für das grosse Ganze. Ich empfehle, mit einem frischen Blick an Konferenzen der Branche und Netzwerkveranstaltungen teilzunehmen. Besuche verschiedene Vorträge, stelle dich Kollegen aus anderen Unternehmen vor und verfolge die Bekanntschaft nach der Kontaktaufnahme weiter.
Auch Dein Recruiter kann im Stellenwechsel ein wichtiger Verbündeter sein. Recruiter verfügen über eine Fülle von Marktkenntnissen: Wir wissen, welche Unternehmen einstellen wollen, welche Fähigkeiten und Erfahrungen gefragt sind und wie viel Unternehmen für Spitzenkräfte zu zahlen bereit sind. Scheue dich nicht, nach unserer Meinung, Perspektive und Tipps zu fragen.
Betreibe kluges Networking
Wenn man mitten im Stellenwechsel steckt, aber nicht viele Anfragen erhält, ist es normal, dass man frustriert und ein bisschen verzweifelt ist. Leider kann diese Denkweise die Interaktionen mit Deinem Netzwerk negativ beeinflussen. Betrachte jedes Gespräch vom Standpunkt der Wertschöpfung aus, anstatt eine Verhandlung abschliessen zu wollen. Fragen Dich: «Wie kann ich dieser Person helfen?» Konzentriere dich nicht auf: «Wie kann diese Person mir helfen?» Das Gleiche gilt auch, wenn Du eine Karriereberatung oder eine innerbetriebliche Empfehlung benötigst.
Meine Aufgabe als Recruiter ist es, den Klienten beratend zur Seite zu stehen und ihnen bei der Auswahl der Einstellungsanforderungen zu helfen. Ich präsentiere eine von mir zusammengestellte Auswahl an Bewerbern, die auf die Bedürfnisse meines Kunden zugeschnitten ist. In einigen Fällen kann das bedeuten, dass man den Kunden dazu bringen möchte, einen Klienten in Betracht zu ziehen, der zwar nicht dem klassischen Bild entspricht, aber meiner Meinung nach hervorragend geeignet wäre. Du könntest dieser Bewerber sein. Aber zuerst musst Du dich Deiner Jobsuche selbst annehmen und Dein Bestes präsentieren.
Hast Du dich schon einmal durch einen Stellenwechsel in der Mitte Deiner Karriere gekämpft? Ich freue mich über Deine Gedanken zu diesem Prozess im Kommentarbereich.