In der Schweiz gilt die IT-Branche als klassische Männerdomäne. In erster Linie stellen Männer in der IT die Gründer, Erfinder und Entwickler dar. Hörsäle im Studiengang Informatik, oder IT-Abteilungen voller Männer sind kein seltener Anblick. Frauen hingegen gelten in der IT-Branche als rar. Der Anteil an Frauen, die den Schritt in IT-Jobs wagen ist recht niedrig. Das Bundesamt für Statistik zählt in einer aktuellen Umfrage in der Schweiz einen Frauenanteil von 18 % aller Angestellten der Branche. Zwar ist der Anteil im Verlauf der vergangenen Jahre leicht angestiegen, doch optimal ist es noch längst nicht. Es ist vielmehr eine ernüchternde Erkenntnis. Das Ungleichgewicht ist daher enorm, denn sowohl in IT-Fachrichtungen, als auch in den verschiedenen IT-Jobs dominieren Männer. Was die meisten nicht wissen, ist dass Frauen in der Geschichte zu den ersten Programmiererinnen zählten. Noch in den 80er Jahren galt das Programmieren als klassischer Frauen-Job. Wieso aber begeistern sich heutzutage so wenige Frauen aber für die IT-Welt? Der geringe Frauenanteil in den Schweizer IT-Jobs ist bereits seit vielen Jahren ein diskutiertes Thema. Worauf dieses Ungleichgewicht zurückzuführen ist, ist keine einfache Frage und hat mit grosser Sicherheit viele Dimensionen.
Experten nahmen sich dieser Frage an und machen hierfür alte Rollenbilder und eine mangelnde Förderung in der Erziehung und Schulbildung verantwortlich. Die Chancen, die Frauen in der IT-Branche haben, wird verpasst, weil Mädchen nicht genügend für die Digitalisierung begeistert werden. Dabei wird das Potenzial der Frauen in den IT-Jobs dringend benötigt. Denn aufgrund der Digitalen Transformation steigt der Bedarf an Fachkräften in der IT. Stellt sich also die Frage, wie Frauen für die IT Welt begeistert werden können.
Frauen für IT-Jobs begeistern
Die Digitale Transformation hat den Fachkräftemangel in der IT bedingt. Nun sind Politiker, Verbände wie auch Unternehmungen bereits seit vielen Jahren darum bemüht, Frauen für die MINT-Fächer zu begeistern. Um Frauen mehr für MINT-Berufe zu begeistern wurden verschiedene Förderprogramme ins Leben gerufen. Eines davon ist das «Swiss Tecladies», das im September 2020 startete. Der erhoffte Erfolg bleibt jedoch weiterhin aus. Eine weitere Bemühung die Ungleichheit in der IT-Branche anzugehen ist die freiwillig festgelegte, oder gesetzlich vorgeschriebene Frauenquote. Doch auch diese wird langfristig nicht den erhofften Erfolg sicherstellen können, wenn weiterhin wenige Frauen den Weg in IT-Jobs oder ein Informatikstudium einschlagen. Das Problem müsste demnach in einem früheren Stadium angegangen werden, um von langfristigen Erfolgen zu profitieren.
Gründe für die Ungleichheit des Frauenanteils in der IT
Wie bereits eingangs angeschnitten, gehen Experten davon aus, dass veraltete Rollenbilder und eine mangelnde Förderung junger Mädchen die Ungleichheit in der IT bedingen. Das geht in vielen Fällen bereits auf die Erziehung und die Schulbildung, genauer auf die Sozialisation von Mädchen zurück. Geschlechtertypische Rollenklischees sind noch immer weitverbreitet. Demzufolge werden Mädchen von ihrem familiären Umfeld meist nicht bestärkt mit technischem Spielzeug umzugehen, Jungs hingegen schon. Im Kindergarten und später in der Schule wird dies oftmals weitergeführt. Dort begegnen Mädchen vielfach Erzieherinnen, die nicht unbedingt bemüht sind, ihre technische Affinität fördern. In den meisten Fällen werden junge Mädchen überhaupt nicht für MINT-Fächer motiviert. Experten berichten, dass ihnen vielfach sogar eingeredet wird, dass es ihnen an logischem Verständnis für MINT-Fächer fehle. Geht man nach diesen Rollenklischees, wird angenommen, dass Mädchen in den Bereichen Sprache und Kommunikation besser abschneiden, als in den Bereichen IT und Mathematik. Und dass sie später häufiger in sozialen oder kreativen Berufen aufzufinden sind, oder eher im E-Commerce, oder in der Bildung tätig. Es erscheint vor diesem Hintergrund logisch, dass junge Mädchen keinerlei Begeisterung für MINT-Fächer entwickeln, gar davon abgeschreckt werden, in Richtung IT zu gehen. Veraltete Rollenbilder und die Annahme, dass es Frauen an logischem Verständnis für IT-Jobs fehle sind schlichtweg absurd und falsch.
IT Unternehmenskultur und Frauenbilder
Frauen schätzen Unternehmenskulturen, die von Diversität und Inklusion geprägt seien. Ebenfalls von grosser Bedeutung sei für sie ein partizipativer und transparenter Führungsstil und eine aktive Förderung. IT Abteilungen sind jedoch überwiegend männlich besetzt und geprägt und die Unternehmensstrukturen eher traditionell. Diesem Punkt lässt sich ergänzen, dass männlich geprägte Unternehmenskulturen in vielen IT-Abteilungen Frauen gar nicht erst ansprechen. In traditionell hierarchischen Strukturen werden Frauen oftmals als weniger kompetent im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen wahrgenommen. Den männlichen Kollegen wird grundsätzlich mehr zugetraut als den Frauen in vergleichbaren Positionen. Möglicherweise ist diese Annahme auf den Zustand zurückzuführen, dass Frauen in IT-Jobs im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen noch immer weniger verdienen. Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen ist in IT-Jobs vergleichsweise zu anderen EU-Ländern wesentlich höher.
Mit einem höheren Anteil an Frauen in IT-Jobs und in Führungspositionen würde jedoch dieses verzerrte Bild geradegerückt werden können. Gleichmässig gemischte Teams und Diversität liefern bekannterweise die besten Ergebnisse und fördern gute Lösungen. Im Umkehrschluss verdeutlicht dies, dass die IT Branche eine bedeutende Chance im Grunde verpasst. Mit mehr Frauen an Bord würden sich ihnen deutlich mehr Chancen eröffnen.
Zukunftsaussichten für Frauen in der IT
Es ist noch ein weiter Weg bis Männer und Frauen in IT-Jobs weitgehend genderneutral agieren werden. Natürlich können Frauenquoten dazu beitragen, den Frauenanteil in der IT-Branche zu erhöhen. Wenn sich allerdings zu wenige Frauen für ein Informatikstudium, oder eine technische Ausbildung entscheiden, wird es erfolglos bleiben. Und die Auswahl an geeigneten weiblichen Kandidatinnen wird weiterhin klein bleiben. Es versteht sich also, dass sich bereits vorher etwas ändern muss.
Experten sehen Politiker, Erzieher und Lehrer, aber auch die Eltern in der Pflicht. Mädchen sollten für MINT-Fächer und die IT begeistert werden, ihr Potential für MINT-Fächer vollumfänglich auszuschöpfen. Dabei sollten möglichst alle beteiligten Parteien an einem Strang ziehen. Insbesondere vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ist es eine unabdingbare Strategie, Frauen für IT-Jobs zu begeistern. Was jedoch um einiges schwerer wiegt ist der Bedarf an weiblicher Perspektive in der IT-Welt und vor allem in der KI und anderer hochinnovativer Technologien. Mit dem Mangel an weiblicher Perspektive könnte hier die Gefahr bestehen, dass sich Ungleichheiten und Diskriminierung in den Algorithmen verfestigen. Die Folge wäre, dass sich in erster Linie männliche Perspektiven in Programmen widerspiegeln würden. KI-Systeme müssten jedoch an die Bedürfnisse der allgemeinen Gesellschaft angepasst werden.
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