Gehaltstransparenz: Vor- und Nachteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

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    Gehaltstransparenz

    Kennen auch Sie die Frage „Und, was verdienst Du?“ und fühlen sich eventuell unwohl, ob Sie diese wirklich beantworten sollen? Laut einigen Studien wird diese Frage bisher nur im engsten Freundes- oder Familienkreis gestellt und immerhin neun Prozent sollen das eigene Gehalt nicht mal dem Partner verraten. Doch nur, weil man selbst nicht darüber redet, bedeutet das noch lange nicht, dass sich keiner dafür interessiert. Ein Viertel der Teilnehmer der Online-Umfrage ist der festen Meinung, dass nichts Schlimmes daran ist, mit den Kollegen das Gehalt zu besprechen und jeder Fünfte gab an, dass es endlich kein Tabu-Thema mehr sein sollte. Bei der Xing-Gehaltsstudie kam auch heraus, dass vier von fünf Befragten den Wunsch nach mehr Gehaltstransparenz haben.

    Die Vorteile von Lohntransparenz

    Warum ist das Gehalt immer noch ein Tabuthema in zahlreichen Bereichen? Gegner der Gehaltstransparenz argumentieren oft, dass es den Betriebsfrieden stören würde, wenn jeder wüsste, was Kollegen und Vorgesetzte verdienen. Doch entsteht Missgunst nicht in Umgebungen, in denen bereits Ungleichheit herrscht? Fair und transparent entlohnte Mitarbeiter sollten keinen Anlass zur Diskussion bieten. Im Gegenteil, wenn Gehälter geheim gehalten werden, können Gerüchte und Diskussionen entstehen. Transparenz schafft wichtige Fakten und steigert die Zufriedenheit sowie das Vertrauen in den Arbeitgeber.

    Ein weiterer positiver Aspekt von Gehaltstransparenz ist, dass sie ungleiche Bezahlung verhindern oder reduzieren kann. Denn wenn man weiss, wie viel Kollegen verdienen, kann man das eigene Gehalt besser verhandeln und seinen eigenen Standpunkt im Unternehmen ebenso besser einschätzen. Unternehmen werden zudem unter Druck gesetzt, fair zu entlohnen. Natürlich handelt es sich hierbei in erster Linie vor allem um Vorteile für Arbeitnehmer.

    Ein weiterer Vorteil ist, dass man im Bewerbungsgespräch bereits im Voraus Informationen darüber erhalten kann, was man in einer bestimmten Position verdienen sollte. So können falsche Erwartungen vermieden werden, sowohl auf Seiten der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber.

    Vorteile in der Übersicht:

    • Förderung des Betriebsfriedens: Gehaltstransparenz kann dazu beitragen, Missgunst und Unzufriedenheit unter Mitarbeitern zu reduzieren. Fair und transparent entlohnte Mitarbeiter haben also keinen Anlass zur Diskussion.
    • Verhinderung ungleicher Bezahlung: Durch die Möglichkeit, die Gehälter von Kollegen zu kennen, können Mitarbeiter ihr eigenes Gehalt besser verhandeln und Unternehmen werden dazu gedrängt, gleiche Arbeit fair zu entlohnen.
    • Steigerung von Zufriedenheit und Vertrauen: Das Wissen darüber, gerecht bezahlt zu werden, erhöht die Zufriedenheit der Mitarbeiter und stärkt das Vertrauen in den Arbeitgeber.
    • Transparenz schafft Fakten: Offenlegung von Gehältern verhindert Gerüchte und Diskussionen über Gehälter, die entstehen können, wenn Gehälter geheim gehalten werden. Das unterstützt auch das Vertrauen zu dem eigenen Unternehmen.
    • Vermeidung von falschen Erwartungen: Im Bewerbungsgespräch können Bewerber bereits im Voraus Informationen darüber erhalten, was sie in einer Position verdienen sollten, was falsche Erwartungen verhindert.

    Die Nachteile von Gehaltstransparenz

    Die Frage, ob Gehaltstransparenz automatisch zu gerechterer Bezahlung führt, ist komplexer als gedacht. Laut der Harvard-Professorin Zoe Cullen und ihren Co-Autoren könnte Transparenz bei Gehaltsverhandlungen sogar nachteilig sein. In ihren Studien, wie zum Beispiel dem Aufsatz «Equilibrium Effects of Pay Transparency», fanden sie heraus, dass Transparenz zu einem Rückgang der Löhne um sieben bis acht Prozent führen kann.

    Dies liegt an sogenannten Gleichgewichtseffekten. Obwohl der Informationsnachteil bei Gehaltsverhandlungen verringert wird, kann dies dazu führen, dass Arbeitgeber bestimmten Forderungen nicht mehr nachkommen, aus Angst, dass auch andere Mitarbeiter ihr Gehalt nachverhandeln wollen. Somit wird es schwieriger, überdurchschnittliche Gehälter auszuhandeln, was letztendlich das Lohnniveau insgesamt senkt.

    Nicht nur Arbeitgeber könnten weniger zahlen, sondern auch Bewerber könnten weniger in ihren Forderungen verlangen. In einer weiteren Studie fand die Forschergruppe um Cullen heraus, dass Personen geringere Gehaltsforderungen stellten, wenn das Jobangebot bereits eine klare Angabe zur Bezahlung enthielt.

    Des Weiteren wurde festgestellt, dass bei Arbeiten, die von mehreren Auftragnehmern an einem Ort ausgeführt wurden, die meisten Arbeitgeber alle Angestellten gleich bezahlten, da ein direkter Austausch möglich war. Zudem zeigte sich, dass Männer bei unvollkommener Transparenz die vorhandenen Informationskanäle stärker nutzten als Frauen, um Boni für sich auszuhandeln.

    Nachteile in der Übersicht:

    • Druck auf Arbeitgeber: Transparenz bei Gehältern kann dazu führen, dass Arbeitgeber weniger dazu bereit sind, überdurchschnittliche Gehälter zu vergeben, da sie befürchten, dass andere Mitarbeiter ebenfalls Nachverhandlungen fordern.
    • Reduzierte Verhandlungsmacht: Transparenz könnte dazu führen, dass Bewerber niedrigere Gehaltsforderungen stellen, insbesondere wenn die Jobangebote bereits klare Angaben zur Bezahlung enthalten.
    • Senkung des allgemeinen Lohnniveaus: Durch die Zurückhaltung bei der Vergabe höherer Gehälter und den Druck, fairere Gehälter zu vergeben, könnten Arbeitgeber dazu neigen, das allgemeine Lohnniveau zu senken.
    • Geschlechterungleichheit: Untersuchungen zeigen, dass Männer bei unvollkommener Transparenz besser in der Lage sind, Bonuszahlungen auszuhandeln, was zu einer weiteren Verstärkung der geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede führen könnte.

    Fazit: Eine Frage der Zeit

    Der Vergleich zeigt es sehr deutlich. Gehaltstransparenz birgt, wie viele Dinge im Leben, sowohl Vorteile als auch Nachteile. Ohne Transparenz entsteht schnell ein Ungleichgewicht an Informationen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Es gilt die bekannte Regel: Gut informierte Personen können bessere Entscheidungen treffen. Im Hinblick auf langfristige Betrachtungen sollten die positiven Aspekte also demnach überwiegen. Sofern Arbeitnehmer und Bewerber diese Informationen zu ihrem Vorteil nutzen und fairere Löhne von den Arbeitgebern einfordern, kann dies langfristig positive Effekte haben. Natürlich werden das auch in Zukunft Unternehmen und Menschen selbst entscheiden, dass der Verdienst allerdings weiterhin ein Tabuthema bleibt und niemand darüber spricht oder sogar nicht darüber sprechen darf, ist mehr als unwahrscheinlich.

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